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Ringvorlesung


Wer will ich sein? Wer darf ich sein? Statussymbole und Repräsentationsstrategien von Aufsteigern seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

- Eine Vortragsreihe -

 

 

 

Die Ringvorlesung findet vom 11. April bis 4. Juli 2022 montags um 19.30 Uhr im Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf in Präsenz statt. Parallel besteht auch die Möglichkeit, digital teilzunehmen: Dafür finden Studierende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den Link über das HIS-LSF. Alle weiteren Interessierten sind herzlich eingeladen, sich für den Erhalt des Links zur Veranstaltung unter anzumelden.

 

Plakat_Wer will ich sein? Wer darf ich sein?

Die Ringvorlesung stellt Forschungsergebnisse des vom BMBF geförderten Verbundprojekts "PARVENUE – Bürgerlicher Aufstieg im Spiegel der Objektkultur im 18. Jahrhundert", angesiedelt an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Hochschule Fresenius Berlin/AMD Fachbereich
Design, dem Deutschen Textilmuseum Krefeld, dem Museum Burg Linn und dem HETJENS– Deutschen Keramikmuseum, vor.
Das Forschungsprojekt widmet sich seit 2018 der bisher wenig erforschten Kunst und materiellen Kultur von sozialen Aufsteigern, sogenannten Parvenüs, als Instrument der Identitätsstiftung und Selbstvergewisserung. Hier lassen sich Mechanismen erkennen, die bis in die Gegenwart
eine Rolle spielen und jeden individuell auch heute noch in der eigenen Lebenswelt berühren.


Gefragt wird in den Vorträgen danach, welche Bedeutung Objekten im sozialen Aufstieg zugeschrieben wurde, welche Statussymbole es
gab und welchen Auswahlkriterien sie und die beauftragten Künstler vor dem Hintergrund von Geschmacksbildungsdiskursen innerhalb der
gebildeten Stände und später in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen unterlagen. Im Fokus stehen dabei konkrete Aufsteigerpersönlichkeiten und -familien, von deren künstlerischem Engagement Textquellen und materielle Hinterlassenschaften in den Sammlungen der Verbundpartner zeugen.
Kontextualisierend wird der Bogen von Heldendarstellungen in Repräsentationsbauten des Hochadels, Luxus und Prunk an frühneuzeitlichen
Fürstenhöfen, Wohnungseinrichtungen im Kaiserreich über die Nouveaux Riches in der US-amerikanischen Kultur bis in die Gegenwart mit ihrer immer noch von Statussymbolen geprägten Selbstdarstellung gespannt.

 

Die komplette Terminübersicht können Sie hier downloaden.

 

 

 

 

 

 

11.04.2022

Dr. Patricia Strohmaier (HHU Düsseldorf)
Kurfürstliche Nachttöpfe, niederländische Silbermünzen und Neuwieder Stühle – Der Aufstieg der Krefelder Familie von der Leyen

Die Familie von der Leyen wurde im 18. Jahrhundert durch den Umstieg vom Verkauf auf die Produktion von Seidenstoffen so wohlhabend, dass sie an die Spitze der Krefelder Stadtgesellschaft stieg. Als Angehörige der mennonitischen Gemeinde ursprünglich zu äußerer Bescheidenheit verpflichtet, verließen sie die konfessionellen Grenzen und gewannen so viel Einfluss in der Stadt, dass sie zeitweilig als deren inoffizielle Herr*innen galten. Im Zentrum der Vorlesung stehen Objekte und Kunstwerke aus dem Besitz der Familie und die Frage, inwiefern diese den Aufstieg und den Wandel im Lebensstandard widerspiegeln.

 

 

Patricia Strohmaier studierte Kunstgeschichte und Osteuropäische Geschichte in Leipzig und Budapest und schloss 2016 an der Universität Leipzig ihre
Promotion über den Halberstädter Domschatz im Spätmittelalter ab. Seit 2017 ist sie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig, seit 2019 bearbeitet sie das Teilprojekt zu den Krefelder Seidenverlegerfamilien im BMBF-Projekt PARVENUE.

 

 

25.04.2022

Jun.-Prof. Dr. Julia Trinkert (HHU Düsseldorf)
Sicherer Geschmack und glückliche Hand? Künstlerische Inszenierungen als Instrument für einen gelungenen Aufstieg im 18. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelang dem gelernten Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann (1724-1782) durch geschicktes Handeln und wirtschaftlichen Erfolg der zielstrebig geplante Aufstieg in den dänischen Adel und schließlich in die Position des Schatzmeisters des dänischen Königs. Um dies zu erreichen, war ein standesgemäßes Auftreten und eine passende künstlerische Inszenierung unerlässlich.
Lässt sich in den Aufstiegsbestrebungen Schimmelmanns ein Handlungsmuster erkennen? Welche Statussymbole gehörten in die gesellschaftlichen Kreise, die er erreichen wollte? Welche Vorbilder standen ihm zur Verfügung?

 

 

Julia Trinkert ist Juniorprofessorin für Kunstgeschichte des Mittelalters an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und leitet seit 2018 das BMBF-Verbundprojekt „PARVENUE – Bürgerlicher Aufstieg im Spiegel der Objektkultur im 18. Jahrhundert“. Darüber hinaus ist sie Teil des BMBF-Projekts „ai4all – KI für Alle“. 2015-2019 war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HHU und 2013-2014 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im DFG-Forschungsprojekt „Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein“. 2012 schloss sie ihre Promotion mit der Arbeit „Flügelretabel in Mecklenburg zwischen 1480 und 1540. Bestand, Verbreitung und Werkstattzusammenhänge“ an der CAU Kiel ab, zuvor studierte sie 2003-2008 Kunstgeschichte, Nordische Philologie, Europäische Ethnologie/Volkskunde und Öffentliches Recht an der CAU Kiel und der Universitetet i Oslo. Sie hat über mittelalterliche und frühneuzeitliche Malerei und Skulptur in Nordeuropa und dem Baltikum publiziert. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die nordeuropäische Kunstgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Bildfunktionen und sakrale Topographie, Kunstproduktion und Kunsthandel, Digitale Kunstgeschichte, Künstlersozialgeschichte, Kunstsoziologie, Kulturerbe, Materielle Kultur des 18. Jahrhunderts und Critical Heritage Studies.

 

 

02.05.2022

Manfred Tautscher (SINUS-Institut)
Die Statussymbole der Eliten von heute und morgen

„Luxus - Quo Vadis?“ – wie entwickeln sich Luxussymbole am Beispiel der Sinus-Milieus® in der Gegenwart? Im Vortrag wird dargestellt, welche unterschiedlichen Rollen Luxus und Statussymbole in der Gesellschaft haben, angefangen bei den Leit-Milieus bis zum Mainstream. Welche Trends beobachten wir in bestimmten Zielgruppen, welche Sinus-Milieus® haben welche Vorbildwirkung bzw. virale Kraft?

 

 

Manfred Tautscher, geschäftsführender Gesellschafter des SINUS-Instituts, begann seine berufliche Karriere 1987 mit der Gründung des Marktforschungsinstituts INTEGRAL Dort hat er methodische Pionierarbeit geleistet, indem er die Entwicklung und Einführung des innovativen Befragungssystems Barcode Lightweight Interview Package vorangetrieben hat, das INTEGRAL zu einem der ersten Institute in Europa machte, das CATI und CAPI Befragungen flächendeckend durchführen konnte. Zu einer Zeit, als noch über Altavista „gegooglet“ wurde, beschäftigte er sich bereits intensiv mit der Internet-Forschung. Bereits 1996 hat er den AIM (Austrian Internet Monitor) eingeführt, der bis heute einen repräsentativen Überblick über Kommunikationstechnologien gibt. Von 2003 bis Anfang 2009 war er Geschäftsführer von Millward Brown Germany mit DACH-Verantwortung. Seine Spezialgebiete sind internationale Kundensegmentierung und -zufriedenheit, Branding, Markenwerte und Kommunikation.

 

 

09.05.2022

Prof. Dr. Matthias Müller (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Berechnende Verschwendung. Luxus und Pracht am Fürstenhof als soziale und künstlerische Norm (nicht nur) für Aufsteiger

Für überzeugte Demokraten und Mitglieder einer modernen, auf soziale Teilhabe und „Chancengerechtigkeit“ ausgerichteten Bürgergesellschaft wecken Begriffe wie „Luxus“ und „Pracht“ zwiespältige Assoziationen, rufen sie doch unweigerlich Vorstellungen von Verschwendung und Neureichengehabe hervor. Entsprechend negativ werden bis heute daher auch die enormen finanziellen Ausgaben vormoderner Fürstenhöfe und der in ihrem Umfeld sich bewegenden sozialen Aufsteiger bewertet. Dass diese Sichtweise historisch unzutreffend ist und der betriebene luxuriöse Aufwand Teil eines rationalen, auch ökonomisch kalkulierten Werte- und Normensystems war, soll im Vortrag für den Bereich der höfischen Kunst und Architektur aufgezeigt werden.

 

 

Prof. Dr. Matthias Müller ist Professor für Kunstgeschichte (mit Schwerpunkten im Mittelalter und in der beginnenden Frühen Neuzeit) am Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Sprecher der dortigen Forschungsplattform „Frühe Neuzeit: Figurationen des Nationalen“ und Mitglied der Leitungskommission „Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Er ist darüber hinaus u.a. als Vizepräsident des Mediävistenverbandes und Vorsitzender des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur sowie als Vorsitzender des Ausschusses für nationalen Kulturgutschutz des Landes Rheinland-Pfalz und stellv. Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz in verschiedenen Wissenschaftsorganisationen und Beiräten tätig. Seine zahlreichen Forschungsprojekte und Publikationen behandeln Themen zur sakralen und profanen Repräsentationsarchitektur vom Mittelalter bis zur Gegenwart sowie zur Kunst an europäischen Fürstenhöfen.

 

 

16.05.2022

Prof. Dr. Regina Schober (HHU Düsseldorf) und Prof. Dr. Reinhild Kreis (Uni. Siegen)
New Money in the New World: Historical and Literary Perspectives on the Nouveaux Riches in US American Culture

"Old money" versus "new money": In the decades around 1900, famously declared as the "Gilded Age" by Mark Twain, this distinction separated long-established families from newcomers who had gained their wealth from new industries such as steel and oil. The "Nouveaux riches" with their incredible wealth shook established hierarchies and social orders.
Whereas they demanded social recognition, established families looked down on the newly rich as "parvenus" and did everything to prevent them from climbing the social ladder. The conflicts between "old" and "new" money also inspired and were carried out in numerous novels of the time and still constitute contemporary representations of class and wealth, for example in relation to the "new gold rush" in Silicon Valley. This talk will shed light on and critically examine US American discourses around the "Nouveaux Riches" both from a historical and a literary/ perspective. We will ask what was distinctive about the discourse surrounding the "nouveaux riches" in America from the Gilded Age until today - in the country that, after all, was considered the "new world”.

 

 

Regina Schober ist Professorin für Amerikanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie lehrt amerikanische Literatur und Kultur mit den Schwerpunkten digitale Kultur, Intermedialität und Theorien des globalen Informationszeitalters. Sie ist Autorin von Unexpected Chords: MusicoPoetic Intermediality in Amy Lowell’s Poetry and Poetics (Winter, 2011) und Mitherausgeberin von The Failed Individual: Amid Exclusion, Resistance, and the Pleasure of Non-Conformity (Campus, mit Katharina Motyl, 2011), von Data Fiction: Naturalism, Numbers, Narrative (Sonderausgabe von Studies in American Naturalism, mit James Dorson, 2011) und von Laboring Bodies and the Quantified Self (Transcript, mit Ulfried Reichardt, 2020). Sie war Gastwissenschaftlerin an der University of California, Santa Barbara (2017) und an der Harvard University sowie an der University of Virginia, Charlottesville (2008). Ihre Forschungsinteressen umfassen Netzwerkstudien, Transformationen der Subjektivität im Informationszeitalter, künstliche Intelligenz, das quantifizierte Selbst, Diskurse des Scheiterns sowie Theorien des Lesens und der Aufmerksamkeitsökonomie. Derzeit ist sie Teil der Forschungsnetzwerke The Failure of Knowledge/Knowledges of Failure und of Model Aesthetics: Between Literary and Economic Knowledge (beide gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG) sowie des Projekts ai4all (gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, BMBF).

 

Reinhild Kreis ist ab März 2021 Professorin für Geschichte der Gegenwart an der Universität Siegen. Von September 2014 bis Februar 2021 war sie Akademische Rätin a.Z. am Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim. Im WiSe2019/20 und im SoSe 2020 vertrat sie den Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Duisburg-Essen. 2013/14 war sie Visiting Fellow in the History of Consumption am Deutschen Historischen Institut in Washington, DC. Von 2009 bis 2014 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg tätig, von 2006 bis 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der LMU München. Sie studierte Neuere und Neueste Geschichte, Bayerische Landesgeschichte und Germanistik an der LMU München und in Galway (Irland). Die Promotion erfolgte 2009 an der LMU zum Thema „Orte für Amerika. Deutsch-Amerikanische Institute und Amerikahäuser seit den 1960er Jahren” (ifa-Forschungspreis Auswärtige Kulturpolitik, Edmund Spevack Award). Ihre Habilitation erschien als „Selbermachen. Eine andere Geschichte des Konsumzeitalters”.

 

 

30.05.2022

Dr. Maren-Sophie Fünderich (Bielefeld)
Die Wohnung als Bühne: Repräsentationsstrategien des bürgerlichen Mittelstands im Kaiserreich

Wie man standesgemäß wohnte, war im Kaiserreich von großer Bedeutung. Als ‚wohnsüchtig‘ beschrieb Walter Benjamin das 19. Jahrhundert. Das Wirtschaftswunder brachte einen aufstrebenden Mittelstand hervor, der seinen sozialen Aufstieg auch zeigen wollte. Diese stark wachsende Schicht aus Angestellten, Beamten und Freiberuflern zog in neue Wohnviertel mit komfortablen Etagenwohnungen. Repräsentativ sollte nicht nur die Hausfassade sein, sondern auch die Wohnungseinrichtung. Möbelhandlungen boten qualitätvolle Möbel an, manche gaben für ihre Kunden zur Geschmacksbildung sogar eine eigene Zeitschrift heraus. Zunächst war die Einrichtung überladen und verziert im Stil des Historismus, bevor schließlich, auch durch den 1907 gegründeten Deutschen Werkbund, ein schlichter, zweckmäßiger Stil größere Verbreitung fand.

 

 

Maren-Sophie Fünderich, Dr. phil., Promotion in Neuerer Geschichte und Magisterstudium der Geschichte und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, festes Mitglied im Forschungsnetzwerk "Pioniere der Designausbildung“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (bis Ende 2025), 2-4/2022: Junior Fellow der Klassik Stiftung Weimar in der Forschungsgruppe „Raum“.

 

 

13.06.2022

Dr. Julian Blunk (Hochschule Fresenius/AMD, Fachbereich Design, Berlin)
Stil vs. Mode: Zur Markierung des Parvenüs im Bilde

Die Unterscheidung von Stil und Mode geht seit jeher mit der Dichotomisierung von Innerlichkeit und Äußerlichkeit sowie von Dauerhaftigkeit und stetem Wechsel einher. Der Vortrag möchte die entsprechenden Engführungen in der Theorie der Mode und des Stils zunächst anhand einiger einschlägiger Positionen nachvollziehen und diese im Anschluss für die (kritische) Darstellung des Parvenüs in der Malerei fruchtbar machen: Wie ließ sich eine Differenz von Substanz und Erscheinung im Bilde kenntlich machen und der Parvenü als solcher entlarven?

 

 

Studium der Kunstgeschichte und der Film- und Fernsehwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, 2003 Magister-Abschluss mit einer Arbeit über Andrea Pozzos Fresken in Sant’Ignazio, Rom. 2003–2006 Stipendiat des Internationalen Graduiertenkollegs 625 «Institutionelle Ordnungen, Schrift und Symbole / Ordres institutionnels, écrit et symboles» der Technischen Universität Dresden und der École Pratique des Hautes Études Paris, 2008 Promotion mit der Arbeit "Das Taktieren mit den Toten. Die französischen Königsgrabmäler in der Frühen Neuzeit". 2008–2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunstwissenschaft und Ästhetik an der Universität der Künste Berlin, 2016-2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz an der Freien Universität zu Berlin. Ebendort Vertretung von Prof. Dr. Peter Geimer und Einreichung der Habilitationsschrift "StilSpuk. Zu den Gespenstern des Historismus" im SoSe 2021. Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter im Parvenue-Projekt des BMBF und Lehrbeauftragter an der Universität Graz. Seit 2018 Redakteur der "kritischen berichte".

 

 

20.06.2022

Prof. Dr. Philipp Zitzlsperger (Universität Innsbruck)
Parvenüs als Innovationstreiber am Beispiel des Vatikans und der Künstlerinnen im 17. und 18. Jahrhundert

Parvenüs werden im Allgemeinen mit Emporkömmlingen, Nachahmern, Bücklingen, Speichelleckern oder angepassten Karrieristen assoziiert – Eigenschaften, die etwa in Picards und Schillers „Der Parasit“ um 1800 den gesellschaftlichen Schnellaufsteiger kennzeichnen. Das ist aber eine sehr moderne Einschätzung. Der Vortrag will das Parvenü-Klischee vom „Parasiten“ aufbrechen und zeigen, dass Parvenüs ihren gesellschaftlichen Aufstieg insbesondere durch fein austarierte Unangepasstheit organisieren mussten. An geistlichen Beispielen aus dem Vatikan und an weltlichen Beispielen aus der Gruppe der Künstlerinnen im 17. und 18. Jahrhundert lässt sich zeigen, wie das komplizierte Leben der Parvenüs zwischen Distinktion und Anpassung oszillieren konnte.

 

 

Philipp Zitzlsperger ist seit 2022 Professor für Allgemeine Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck. Er promovierte über die Papst-und Herrscherporträts des Gianlorenzo Bernini an der Universität München und wechselte danach an die Humboldt-Universität, wo er zehn Jahre das Forschungsprojekt „REQUIEM – Die römischen Papst- und Kardinalsgrabmäler der Frühneuzeit“ am Lehrstuhl von Prof. Dr. Bredekamp leitete. Danach nahm er den Ruf an die Hochschule Fresenius, Fachbereich Design, an und forschte an der Schnittstelle von Design- und Kunstgeschichte.

 

 

27.06.2022

Dr. Heiko Laß (LMU München)
Uneigennütziges Handeln und Gottgewollter Auftrag – Zur Selbstdarstellung hochadeliger Aufsteiger in der Frühen Neuzeit

Der Hochadel nutzte in der Frühen Neuzeit verschiedene Medien, um sein Handeln zu legitimieren und seine Ansprüche zu visualisieren. Im Schlossbau können vor allem Skulpturen sowie Decken- und Wandmalerei genannt werden, die sich bis heute erhalten haben. Immer wieder trifft man auf Darstellungen von Herkules und Aeneas. Diese mythologischen Heroen dienten aufgrund ihres Handelns als Vorbilder. Vor allem Herkules galt als ein Held, der uneigennützig im Dienste der Menschheit eine gute Tat nach der nächsten vollbrachte. Aeneas handelte im göttlichen Auftrag und erfüllte seine Pflichten, auch wenn sie seinen persönlichen Bedürfnissen entgegenstanden. Am Ende ihres Lebens wurden beide vergöttlicht. Dies war der Ansatzpunkt für den Aufsteiger. Die Vergöttlichung wurde mit einer Standeserhöhung gleichgesetzt. Mit der Darstellung des Herkules oder Aeneas formulierte der Auftraggeber, dass er aufgrund seiner uneigennützigen Taten wie der Dargestellte Held den Aufstieg verdiene, ja, dass dieser Aufstieg ohnehin von Anbeginn an vorgesehen gewesen sei. Im Vortrag werden verschiedene Beispiele – vornehmlich aus dem Gebiet der Deckenmalerei – vorgestellt und in den Kontext der speziellen Situation des Auftraggebers gestellt, um die spezifische Motivation zu Entstehung der Kunstwerke zu verstehen.

 

 

Magisterstudium der Kunstgeschichte, Mittlere und Neuere Geschichte, Archäologie und Ur- und Frühgeschichte an der Philipps-Universität Marburg, 1996-2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Architektur, Hof und Staat – Der Schloß- und Residenzbau in Thüringen 1600-1800“ an der Philipps-Universität Marburg, 2003 Promotion mit der Arbeit "Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben – Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts" (erschienen 2006) an der RWTH Aachen, 2005-2007 Volontariat bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in Rudolstadt, 2008-2015 Verwaltungsdirektor und Mitglied der Institutsleitung am „Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie“ (Kunstzentrum) in Bochum. Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Corpus-Projekt der barocken Deckenmalerei in Deutschland 1550-1800 im Akademienprogramm der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften an der LMU München. Forschungsschwerpunkte: Architekturgeschichte, Kultur von Eliten und Mentalitäts- sowie Geschlechtergeschichte, Staatsrepräsentation in der Neuzeit".

 

 

04.07.2022

Dr. Anja Kregeloh (Deutsches Textilmuseum Krefeld)
Seidene Kleidung als Zeichen des Prestiges. Forschungsbericht aus dem Projekt "Europäische Seiden des 18. Jahrhunderts" im Deutschen Textilmuseum Krefeld

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch kostbare Luxusprodukte, wurden Seidenstoffe in den folgenden Jahrzehnten in einfachen gewebten Varianten zum weit verbreiteten Material für Kleidung, das in nahezu allen Gesellschaftsschichten und sowohl für Fest- als auch für Alltagskleidung genutzt wurde. Der Vortrag berichtet aus dem Forschungsprojekt des Deutschen Textilmuseums Krefeld, das den rund 900 Objekte umfassenden Bestand an Seiden des 18. Jahrhunderts kunsttechnologisch und kunsthistorisch untersucht sowie kulturhistorisch einordnet.

 

 

Dr. Anja Kregeloh ist Kunsthistorikerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Textilmuseum Krefeld. Durch langjährige Tätigkeit im Germanischen Nationalmuseum spezialisierte sie sich auf die Kulturgeschichte frühneuzeitlicher Textilien.

 

 

 

 

 

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